Friede den Hütten! ...

Georg Büchner 1813 - 1837

 
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Das Märchen vom Tahruk

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Es war einmal in einem fremden Land, auf einem unbekannten Planeten, in einer noch nicht entdeckten Galaxie ein Mann, der hieß Tahruk. Das bedeutet so viel wie Herr Großklein. Jukur, so hieß das Land, und die Stadt, in der er wohnte, hieß Jekurit. Tahruk hatte sehr, sehr viel zu tun. Immer wieder kamen Jekuriten zu ihm, die entweder zu kleine oder zu große Sachen gekauft hatten und damit nicht zufrieden waren.

So klopfte einst Einer an Tahruks Tür und zeigte auf sich und ein Auto, das er gerade erst gekauft hatte. Der Mann war viel zu klein oder das Auto viel zu groß, und Tahruk wusste, was er zu tun hatte. Er holte seine Redemütze von der Garderobe und stellte sich vor das Auto. Wenn eine Sache kleiner werden sollte, sprach er schlecht über sie. Sollte eine Sache aber größer werden, dann sprach er in den allerbesten Tönen, damit sie wachsen konnte. So hielt Tahruk eine böse Rede über das Auto und es wurde immer kleiner, und dies tat er so lange, bis die Größe des Autos zur Größe des Jekuriten passte.

Ein andermal kam ein Jekurit vorbei und holte Tahruk zu einem Haus, das viel zu groß war für ihn und seine Familie. Auch hier konnte Tahruk weiterhelfen. Die Jekuriten waren sehr dankbar, dass es Tahruk gab. Ohne ihn hätten sie nicht leben können.

Kein Wunder, dass sich die Begabung Tahruks nicht nur im ganzen Land Jukur wie ein Lauffeuer herumsprach. Auch auf anderen Planeten in der Galaxie war Tahruks Name ein Begriff. So kam einst ein kleiner König zu ihm, der auf Satimur, einen Planeten etliche Lichtjahre von Jukur entfernt, wohnte. Ihm war sein Planet viel zu klein geworden. Er kam sich viel größer vor, als er in Wirklichkeit war und er wünschte sich einen großen Planeten, der seiner Größe auch entsprach. Also flogen beide in ihren Raumschiffen nach Satimur, damit Tahruk sein Werk vollbringen konnte.

„Mach ihn größer!“ sprach der kleine König und Tahruk redete auf den Planeten ein. „Viel größer muss er werden!“ wiederholte der kleine König und Tahruk erfand die allerschönsten Wörter. Und siehe da: Der Planet wurde tatsächlich immer größer. „Jetzt ist er groß genug! Hör auf!“ rief der kleine König und Tahruk verstummte sofort. „Ist er nicht schön, mein Planet? Und jetzt ist er auch gerade so groß, wie ich!“ hörte Tahruk den kleinen König sagen, der mit seinem kleinen Raumschiff sofort zum Planeten flog, denn das hatte Tahruk nicht vergrößert. Schließlich hatte der kleine König ihn nicht darum gebeten.

Als Tahruk endlich wieder zu Hause war, wollte er sich nur noch ausruhen. Doch da war eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Es war der kleine König und Tahruk hörte Schreckliches: „Du musst unbedingt kommen! Es ist fürchterlich! Mein Planet ist jetzt zwar so groß, wie ich ihn haben wollte, aber er ist viel zu groß für mein Schloss. Wenn ich nach Ukur zu meiner Tante reisen will, brauche ich jetzt 100 Mal länger als zuvor. Und meistens geht mir mitten auf der Strecke der Sprit aus! Mein Auto ist jetzt doch viel zu klein für meinen großen Planeten! Du musst helfen, Tahruk! Komm sofort vorbei!“. Nun war Tahruk klar, was geschehen war: Der Planet hatte sich zwar vergrößert, doch alles andere, was auf dem Planeten war und lebte, war in seiner ursprünglichen Größe geblieben.

Also flog Tahruk sofort mit seinem Raumschiff nach Satimur. Aber er landete nicht, sondern blieb in der Umlaufbahn. Und erneut setzte er seine Redemütze auf und begann zum Planeten zu sprechen. Diesmal benutzte er nur die allerschlechtesten Worte, die ihm einfielen, um den Planeten wieder auf seine ursprüngliche Größe schrumpfen zu lassen. Das war sehr schwer, denn anfangs rührte sich gar nichts. Der Schweiß tropfte ihm vom Gesicht auf den Raumanzug. Es war sehr anstrengend und fast hätte er aufgegeben. Doch er konnte den kleinen König jetzt nicht im Stich lassen. Also versuchte er es nochmal. Immer böser wurde seine Rede, bis der Planet endlich kleiner wurde. Und Tahruk war sehr froh, als er den Planeten wieder auf seine ursprüngliche Größe kleingeredet hatte.

Zu Hause angekommen, hörte er die Stimme des kleinen Königs ein weiteres Mal auf dem Anrufbeantworter: „Ja, jetzt ist alles viel, viel besser als zuvor. Alles ist größer geworden. Ich kann meine Tante wieder besuchen, ohne dass mir der Sprit ausgeht. Tahruk, du bist und bleibst der Größte!“

Endlich war es geschafft. Tahruk aber war vollkommen überarbeitet. Er konnte jetzt nur noch an Eines denken: ins Bett gehen und schlafen.

 Hörversion

 

© goo, Juni 2009

 
Huette007.jpg

Hütten

  •  Alle Bilder © bio,  2011
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Birgit Ohlsen und Günter Opitz-Ohlsen Autoren bei friededenhuetten.de Grabbeallee 24 13156 Berlin, Germany