Friede den Hütten! ...

Georg Büchner 1813 - 1837

 
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Start Dramoletti Das Recht ist bei den Göttern, die Beute bei den Menschen

Das Recht ist bei den Göttern, die Beute bei den Menschen

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Gilgamesch: Utnapischtim, deine Gestalt ist nicht anders. Wozu bist du geschaffen worden? Ich bin ein Kämpfer und du liegst faul auf deinem Rücken.

Utnapischtim: Ich erzähl dir mein Geheimnis. Zu Rate saßen der Herrscher der Stadt Schurippak, ihr Herold und ihr Fürst und auch mein Herr, Ea war dabei. Die Götter fassten den Plan eine Sturmflut über die Welt kommen zu lassen, und Ea sprach zu mir: Verachte Besitz, rette das Lebendige, baue ein Schiff und lege es am heiligen See vor Anker. Doch ich sprach: Was soll ich dem Volke sagen? Und er sprach: Ellil, der Herrscher unserer Stadt ist mir feindlich gesonnen, deshalb verlasse ich die Stadt und will zum heiligen See ziehen. Über euch wird aber großer Reichtum kommen, das sollst du sagen.

So baute ich das Schiff noch am selben Tag. Mit Most und Bier tränkte ich das Volk wie mit Flusswasser und ich lies eine Festmeile errichten wie am Neujahrstag. Das Volk grölte, johlte und lies es sich wohl ergehen. Vor Sonnenuntergang war mein Schiff vollendet. Dann kam der Regen der Götter und ich verschloss die Tür. Den Anker riss Irragal heraus und Nimurta durchbrach alle Dämme. Annunaki lies das Land entflammen und Adads Wüten drang bis zum Himmel zerbrach das weite Land wie einen Topf. Der Südsturm lies das Wasser bis zum Gebirge aufsteigen. Das Wasser fiel über die Menschen her wie eine Schlacht. Keiner sieht den anderen. Ischtar schrie wie eine Gebärende: Die Zeit ist zu Erde geworden, weil ich den Rat gab, die Menschen zu vernichten!

G: Die Götter tun Gutes und Schlechtes, doch sind sie auch böse?

U: So höre mein Geheimnis. Sechs Tage und Nächte dauerte die Sturmflut. Als der siebte Tag hereinbrach unterlag der Südsturm im Kampf, das Meer wurde ruhig und ich blickte durch die Luke, eine Insel stieg vor meinen Augen auf, es war der Berg Nissir. Der Berg hielt das Schiff sechs Tage lang und lies es nicht wanken. Am siebten Tage lies ich eine Taube hinaus. Die Taube kam zurück, da lies ich eine Schwalbe hinaus, doch auch sie fand keine Ruhestätte. Da lies ich den Raben fliegen und der kam nicht wieder. Ich öffnete die Luke und das Wasser wich. Jetzt sah ich das Ausmaß der Verwüstung. Das trunkene Volk war ertrunken, wir türmten die Leichen zu Gebirgen auf und ließen sie brennen. Ea mein Herr aber sprach zu Ellil dem Herrscher: Du Weiser unter den Göttern, wie konntest du nur unbedachtsam eine Sturmflut über die Welt kommen lassen? Den der Sünde tut, den der Frevel tut, lass sie es tragen, doch vernichte sie nicht. Ein Löwe hätte sich erheben können, ein Wolf hätte sich erheben können, der Pestgott hätte sich erheben können, eine Hungersnot hätte kommen können, um die Menschen zu dezimieren. Das Geheimnis der Götter habe ich nie verraten. Traumbilder lies ich über die Klugen kommen. Nun gebt mir Rat! Er trat in unsere Mitte und sprach zu mir: Bisher war Utnapischtim nur ein Mensch. Jetzt soll Utnapischtim und sein Weib den Göttern gleichen und an der Mündung der Ströme wohnen.

G: Keiner von den Göttern wird mich aufnehmen, dass ich Leben finde

U: Dafür leben wir!

G: Ich nicht! Ich bin ein Kämpfer!

U: Du auch!

G: Ich behalte alles für mich. Es ist meine rechtmäßige Beute.

U: Dann wirst du das Leben nicht finden! Das Recht ist bei den Göttern.

G: Ist mir egal. Ich bin stark.



 
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Hütten

  •  Alle Bilder © bio,  2011
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Birgit Ohlsen und Günter Opitz-Ohlsen Autoren bei friededenhuetten.de Grabbeallee 24 13156 Berlin, Germany