Friede den Hütten! ...

Georg Büchner 1813 - 1837

 
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Start Märchen Die Reise zum Planeten Exsulto

Die Reise zum Planeten Exsulto

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Hallo Kinder, jetzt wird es brenzlig. Das Triebwerk stottert und ich brauche neuen Treibstoff. Schnell auf die Sternenkarte schauen, welcher bewohnte Planet am nächsten ist. A1314! Davon habe ich noch nie gehört. Soll aber bewohnt sein. Die Bewohner dort nennen sich Ostentatisten. Seltsamer Name, aber an irgendetwas erinnert mich das! Wie nennen die Ostantisten ihren Planeten? Exsulto! Das geht gerade noch. In zwei Tagen bin ich da. Hoffentlich hält das Triebwerk.


„Sie werden auf unserer exklusive Landebahn 3r1 eingewiesen. Bitte folgen sie unseren Anweisungen. Landerlaubnis wurde erteilt. Bitte Bremstriebwerke einschalten!“ Die haben gut reden. Meine Bremstriebwerke müssen generalüberholt werden. Aber irgendwie werde ich das letzte Stück auch noch schaffen. Eine Bruchlandung wird es hoffentlich nicht werden, aber hart setze ich schon auf. Ruummmmms! Das war's! Ich habe es geschafft! Mein Raumschiff steht und ist nicht auseinander gefallen. Kinder, mir steht der Schweiß auf der Stirn, aber froh bin ich, dass ich hier heil gelandet bin.


Fragt mich nicht, Kinder, wie hier die Einreiseformalitäten sind. Ich war einmal auf einem Planeten, da musste ich mich ganz ausziehen. Die hatten furchtbare Angst vor Fremden. Alles haben sie untersucht. Vom Kopf bis zu den Füßen. Das war vielleicht eine Prozedur. Aber da fliege ich nicht mehr hin. Die Bewohner waren unfreundlich und liefen alle in schwarzen Anzügen herum.


„Herzlich willkommen auf Exsulto, dem schönsten Planeten im Universum.“ Na, wenigstens ist die Begrüßung freundlich und mein Übersetzer funktioniert noch. Das mit dem schönsten Planeten scheint mir aber etwas übertrieben. Hoffentlich muss ich keine Einreisegebühr bezahlen. Ich habe nur noch 500 Unis in meiner Tasche. Unis, das ist die Währung im Universum. Die haben wir jetzt auch auf der Erde, seitdem die Erde dem Universum beigetreten ist. Das vereinfacht die Sache ungemein, Kinder! Früher mussten man immer Geld wechseln und Wechselgebühren bezahlen. Wenn man wie ich im ganzen Universum unterwegs ist, ist man allein vom Umwechseln des Geldes arm geworden.


„Ihren Pass bitte!“ sagt mir der Ostentatist, der hinter einem Schalter steht. Wenn ich hier ungeschoren durchkomme, dann bin ich erleichtert. Jedenfalls sind sie hier freundlich. Hab ich schon einmal gesagt, oder? Aber ich bin anderes gewohnt, Kinder, und dann wundert man sich schon über soviel Freundlichkeit. Oder haben die vielleicht etwas anderes im Sinn?


„Einen wunderschönen Aufenthalt auf dem schönsten Planeten des Universums!“ Wie – das war alles? Keine Einreisegebühr, keine Sicherheitsüberprüfung. Na, die müssen hier im Paradies leben. Aber irgendeinen Haken gibt es bei jeder Sache, Kinder, das habe ich auf all meinen Reisen durch das Universum gelernt. Also ist auch hier Vorsicht geboten und kein Leichtsinn. Schließlich muss ich jemanden finden, der mir die Triebwerke repariert. Ich will doch bald zurück zur Erde. Und wie die Sache momentan aussieht, steht es schlecht um mich.


Überall haben sie auf diesem Planeten Werkstätten. Eine ist besser als die andere. Ich gehe gleich mal hier rein. Der muss alle möglichen Triebwerke repariert haben, weil er all die Glücklichen in ihren Raumschiffen fotografiert hat, denen er half. „Ich kann alles reparieren. Mein Spezialgebiet sind Triebwerke. Hier sind sie goldrichtig. Ich habe schon den Abbanen geholfen und vor allem den Itatisten. Die haben eine sehr komplizierte Technik, das kann ich ihnen aber laut sagen. Für mich allerdings kein Problem. Die haben mich vielleicht mit großen Augen angeguckt, als ich denen ihr repariertes Triebwerk vorgeführt habe. Ich habe es sogar noch ein wenig getunt. Aber nicht weiter sagen! Und sie, mein Herr? Sicherlich auch Probleme mit dem Triebwerk, oder?“


Hier bin ich richtig. Der scheint ja ein Meister seines Faches zu sein. Dem kann ich getrost mein Stotterschiff anvertrauen. Dann sehe ich mich hier auf dem Planeten noch ein wenig um und morgen kann ich schon wieder los. „Genau! Landebahn 3r1, da steht mein Schiff. Die Triebwerke stottern und Treibstoff bräuchte ich auch.“ „Kein Problem, mein Herr! Ich benötige ihre Schiffspapiere, sie wissen schon!“ Ich gebe ihm die Schiffspapiere und frage noch, wann ich wieder kommen solle. „Wann sie wieder kommen sollen? Das ist doch keine Frage. Glauben Sie, ich hätte keine Ahnung. Ich bin der Beste. Sie hören von mir!“ Was ist mit dem denn los. Raunzt der mich an als hätte ich ihm etwas getan. Kinder, ich frage erst gar nicht. Morgen muss der fertig sein. Sonst kriegt der was von mir zu hören.


Habe mir ein Raumtaxi gemietet. Hat nur 10 Unis gekostet für einen Tag. Das ist vergleichsweise billig. Der schönste Wald des Universums, der schönste See des Universums, der schönste Planet des Universums. Wo bin ich denn hier hin geraten. Machen die gerade eine Werbekampagne für den Tourismus. Schön ist die Landschaft ohne Zweifel. Aber ob es das Schönste im Universum ist, das finde ich dann doch ziemlich übertrieben. Habe ich wohl auch schon einmal gesagt, oder?


Ihr ahnt schon, wo ich übernachtet habe. Ja, genau, im schönsten Hotel des Universums. Dabei war das Zimmer auch nichts Besonderes. Guter Durchschnitt eben. Die ruhigste Nacht habe ich nicht gehabt. Die leisesten Raumschiffe gibt es hier nicht, eher die Lautesten. Und das beste Frühstück des Universums entpuppte sich als Spiegelei mit Speck. Warum übertreiben die hier nur immer? Gehört das etwa zum Wesen der Bewohner dieses Planeten. Ich bin ein wenig ungehalten. Wenn das so ist, dann muss ich eben nicht enttäuscht sein, wenn meine Triebwerke dann doch nicht laufen wie geschmiert.


Da ist mein schönes Raumschiff. Das schönste Raumschiff … ihr wisst schon, Kinder. Jedenfalls hat sich äußerlich nichts geändert. Der Mechaniker drückt mir die Schiffspapiere in die Hand und verlangt 440 Unis für die Reparatur. Ein stolzer Preis. Tja! Es sind eben die teuersten Mechaniker des Universums. Ich drücke ihm das Geld in die Hand. 50 Unis habe ich noch. Reicht jedenfalls für eine Zwischenlandung. Endlich bin ich wieder im Kommandosessel. Ich lasse die Triebwerke an. Ach, klingt das schööööön. Läuft rund und stottert nicht. Damit komme ich bestimmt zur Erde. „Wir wünschen eine angenehme Reise und empfehlen sie uns weiter. Der schönste Planet im Universum verabschiedet sie.“ Na, diese Musik hätten sie sich sparen können.

Bald bin ich wieder lautlos im Weltraum. Eigentlich bin ich froh, endlich von hier weg zu sein. Denke schon, ich wäre der schönste Erdenmensch im Universum. Irgendwie färbt dieses Getue doch ab, Kinder.


Der Planet ist eine kleine runde Kugel. Jetzt schalte ich mal den Turbo ein. Treibstoff habe ich schließlich genug. Nein, dieses Stottern. Da ist es wieder und noch lauter als zuvor! Ich glaube es nicht! Reklamation! Nein, das tue ich mir nicht noch einmal an. Alles nur Angeber auf dem Planeten. Heiße Luft und nichts dahinter. Schnell weiter gerade aus. Rücksturz zur Erde und in den Tiefschlaf gehen. Da werde ich diesen Planeten hoffentlich schnell vergessen. Tschüs Kinder, Gute Nacht!


© GOO, Juli 2012

 
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Hütten

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Birgit Ohlsen und Günter Opitz-Ohlsen Autoren bei friededenhuetten.de Grabbeallee 24 13156 Berlin, Germany