Friede den Hütten! ...

Georg Büchner 1813 - 1837

 
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Ist doch nur Spaß

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Zwei Frauen in einem Gespräch in einer Wohnung.

Frau A: Ich rede meine Wünsche, meine Phantasien weg, damit sie ein Geheimnis bleiben.

Frau B: Ich nehme Bücher mit ins Bett, denn Bücher schnarchen nicht.

A: Wenn ich an die Wehen denke, graust es mir. Und dann die Geburt.

B: Lass dir eine Spritze geben.

A: Hab ich auch schon dran gedacht. Aber meinst du nicht, dass dann etwas verloren geht?

B: Hast dich ja auch künstlich besamen lassen. Wir leben nicht mehr in Höhlen!

A: Das nicht, aber das Archaische geht doch verloren. Gestern noch griff ich nach dem Rombuch und da hatte ich Efeu vom Grab meiner Urahnen drin. Danach rief mich Ulrike an, um mir zu sagen, dass mein Onkel gestorben sei und sie sich schon immer zu unserer Familie hingezogen fühlte. Da muss doch eine Verbindung bestehen, jedenfalls innerhalb der Familie, oder?

Während des Gesprächs senkt sich die Bühne mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Das Stück ist beendet, wenn die Schauspieler nicht mehr zu sehen sind.

B: Ich lag im Bett und sah den Clooney, ein Bild von einem Mann. Am nächsten Morgen steht einer vor mir im Büro. Der sah genauso aus. Ich glaube, ich bin ein wenig rot geworden. Ich dachte an die vergangene Nacht.

A: Aber dann gibt es diese Verbindung!

B: Alles Zufall. Wie herrlich, auserlesen war das Brautkleid. Silberstoff und goldene Ranken, es hätte kaum besser sein können. Nur ich kann das so träumen. Warum? Weil ich es eben irgendwann, irgendwo mal gesehen habe. Das hat sich tief nach unten gesetzt und wird dann wieder hervorgeholt, wenn die Situation danach ist. Kein Geheimnis steckt dahinter!

A: Du hast recht. Das Gute ist eben auch nur ein Produkt des Zufalls.

B: Was soll den das schon wieder?

A: Ich mach mir eben so meine Gedanken. Das Schlechte kennen wir nur zu gut. All die Typen auf der Straße! Ekelhaft! Aber das Gute? Haben wir es schon gesehen. So tun wir das Gute nicht, weil wir es nicht kennen.

B: Dann lass es bleiben. Das Gute, das Böse oder Schlechte! Was ist das schon? Reine Begrifflichkeit. Wir finden immer eine Ausrede. Das allein zählt.

A: Solange das Geld noch fließt.

B: Eben!

A: Versorgt sein, bis ans Lebensende, ist wie tot in der Kiste liegen!

B: So kannst auch nur du denken. Wie schön ist unser sorgloses Leben. Übrigens. Hast du schon von den Nacktputzern gehört?

A: Nee, sag mal!

B: Gibt es im Internet eine Agentur, die vermittelt Adonis fürs Putzen, und das ohne Alles!

A: Klingt gut. Werde ich mal ausprobieren. Aber wird hier nicht die Einfalt vor die Schurkerei gesetzt?

B: Wie meinst du das?

A: Ich bin halt sehr skeptisch.

B: Eine reine Frage des Entschlusses! Entweder du probierst es und schaust was dabei rauskommt. Kannst danach immer noch alles ins Internet stellen.

A: Manchmal weiß ich einfach nicht mehr, ob ich nur die Verpackung bekommen habe!

B: Aber das ist doch immer so. Außen alles ok. Dann im Bett! Kannste vergessen!

A: Aber warum muss das immer so sein. Gibt es nicht einen Nacktscanner für uns, der tief blicken lässt, bevor man alles ausprobieren muss?

B: Ja, das sollen die Herrn der Schöpfung mal entwickeln. Gehirnströme als Farbbild. Dann wissen wir was los ist!

A: Ach ja, irgendwann kommt das auch noch auf uns zu!

B: Wieso?

A: Überleg doch mal!

B: Ach so!

A: Ich komm mir so gelangweilt bürgerlich vor! Hans ist eben farblos!

B: Besser als mit so einem Nicht-Typen rumhängen und seine Freiräume auskosten.

A: Ich glaub der beobachtet mich!

B: Macht das nicht jeder Bürger!

A: Diese bürgerliche Spießigkeit. Aber da gibt es ja auch den Draufgänger!

B: Ja, der Clooney!

A: Ja, der Clooney! Manchmal braucht mein Herz Luft!

B: Wem sagst du das!

A: Ich glaube ich stamme vom Neandertaler ab.

B: Warum denn das?

A: Ich lasse einen Gentest machen. Ich will es jetzt wissen!

B: Aber warum?

A: Manchmal brodelt es in mir. Ist das die Seele oder nur die Wollust?

B: Dann wohl eher die Wollust!

A: So wie bei einem Neandertaler eben!

B: Woher willst du das wissen. Vielleicht waren das die lustlosesten Menschen überhaupt.

A: Doch nicht bei Horst!

B: Ach der. Das ist was anderes!

A: Hallöchen!

Horst: Na wieder mal beim Kaffeeklatsch!

B: Nein! Bei der Karriereplanung!

H: Na wie wär's. Von Haut zu Haut. Sandwich unter der Dusche? Besser als die Apparatemedizin, oder?

A und B: Du, ... Neandertaler du!

H: Und danach ein Stück Buttercremtorte für uns alle!

A und B: Warum danach?

H: lacht!

A: Was hältst du davon?

H: Wovon!

B: Wir behaupten, du hättest unsere Kids vergewaltigt. Du wanderst ins Gefängnis. Nach vier Jahren wird der Prozess wieder aufgerollt. Deine Unschuld wird bewiesen. Du kassiert eine Millionen Euro Schmerzensgeld. Bist arbeitsunfähig und in psychiatrische Behandlung.

H: Dusche wär mir lieber!

Alle verschwinden unter der Dusche.

 
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Hütten

  •  Alle Bilder © bio,  2011
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172 S., Klappenbroschur, EUR 15,-

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1. Auflage 2013, 234 Seiten, Paperback 8,95 Euro

ISBN: 9783897737266


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Birgit Ohlsen und Günter Opitz-Ohlsen Autoren bei friededenhuetten.de Grabbeallee 24 13156 Berlin, Germany