Friede den Hütten! ...

Georg Büchner 1813 - 1837

 
  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Prosa Die Geschichte von Wullepulle

Die Geschichte von Wullepulle

E-Mail Drucken PDF
Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

Wullepulle ist klein. Er spielt gern Fußball. Gegen Handball hat er auch nichts einzuwenden. Manchmal spielt er eben Fußball mit der Hand und Handball mit dem Fuß. Das ist nicht erlaubt. Es ist regelwidrig. Wullepulle stört das nicht. Er sagt, er spiele wie er sich fühle. Das kann Herr Kremer, der Sportlehrer von Wullepulle, nicht verstehen. Er setzt ihn immer fünf Minuten auf die Strafbank, bevor er ihn dann wieder mitspielen lässt. Wullepulle hat sich daran gewöhnt. Er widersetzt sich den Maßnahmen des Sportlehrers nicht.

Wullepulle ist groß für sein Alter. Er hat viele Muskeln und mit ihm legt man sich nicht so gern an, weil man den Kürzeren zieht. Wullepulle wird von der Klasse sehr respektiert, denn keiner will von ihm eins auf die Nase kriegen. Aber Wullepulle ist nicht bösartig. Er nutzt seine Kräfte nicht aus, um andere zu erpressen. Er will im Grunde allein gelassen werden. Dann träumt Wullepulle immer davon, wie Robin Hood im Wald zu wohnen und die Bösen zu bekämpfen und die Wehrlosen zu beschützen. Robin Hood ist das Vorbild von Wullepulle. Der kann sehr gut schießen. Wullepulle übt das Schießen im Verein. Es ist ein Schützenverein. Dort kann er so richtig herumballern. Wullepulle trifft immer da, wo er hin schießen soll. Er ist reif für Olympia aber leider noch zu jung, um daran teilzunehmen.


Am liebsten spielt Wullepulle am Computer Ballerspiele. Er gewinnt immer. Seine Reaktionsfähigkeit ist einfach phänomenal. Wullepulles Vater ist Soldat. Er ist in Afghanistan und schreibt immer Postkarten. Sonntags sprechen sie regelmäßig im Familienkreis über das Internet mit Vater. Wullepulle mag seinen Vater sehr gern. Er ist auch sehr stark und sehr lustig. Viel stärker als Wullepulle. Wullepulle will auch einmal so sein, wie sein Vater. Aber letzte Woche hat er nicht mit seinem Vater sprechen können. Ein Brief ist gekommen und Mutter hat geweint, als sie den Brief zu Ende las. Wullepulle wollte seine Mutter trösten, aber die ist weggelaufen und hat sich in ihrem Schlafzimmer eingeschlossen. Wullepulle hat immer an die Tür geklopft. Da hat sie dann auch endlich aufgemacht. Mit verheultem Gesicht stand sie vor ihm. So hat Wullepulle seine Mutter noch nie gesehen. Jetzt wusste er, was passiert war. Er streichelte über ihr Haar und wollte sie damit trösten. Wullepulle mag seine Mutter auch sehr gern. Später sind dann Opa und Oma gekommen. Das Leben geht weiter, hat Opa gesagt und Mutter hat noch lauter geweint. Oma meinte nur, dass sie Alles hat kommen sehen. Da ist Mutter wütend geworden und hat geschrien.

Wullepulle hat sich vor den Computer gesetzt und ein Ballerspiel gespielt. Wullepulle schwor sich, Vater zu rächen. Er wollte nach Afghanistan fahren und dort alle Afghanen umbringen, die in der Nähe der Kaserne waren. Schließlich haben die seinen Vater in einen Hinterhalt gelockt. Danach haben sie alles in die Luft gesprengt. Wullepulle drückt alle Knöpfe auf seinem Joystick, immer schneller, immer mehr Afghanen schießt er ab, die Geschwindigkeit des Spiel erhöhte er, bis er endlich alles stehen und liegen ließ. Er knallt sich auf sein Bett und weint. Gleich Morgen wird er das Gewehr aus dem Schrank nehmen und den Mustafa abknallen. Der ist in seiner Klasse und kommt auch aus Afghanistan.

Wullepulle schläft ein. Wenn er morgen den Mustafa tötet, wird er erst hinterher erfahren, dass der ebenfalls seinen Vater verloren hat. Er ist damals in Afghanistan von den Taliban ermordet worden. Deshalb ist seine Familie nach Deutschland gekommen, damit sie hier in Frieden und Sicherheit leben kann. Wullepulle hält das für gerecht, was er mit dem Mustafa vorhat. Mustafa ist sein Feind, der unendliches Leid über die Familie Wullepulles gebracht hat. Mustafa hat kein Recht mehr zu leben. Wullepulle wird die Gerechtigkeit wieder herstellen. Ein Leben gegen das andere Leben, nur so wird alles wieder ausgeglichen. Wullepulle wird seine Tat bereuen, wenn er das alles über Mustafa erfährt, was er jetzt noch nicht weiß. Wullepulle wird nichts wieder gut machen können. Er wird genauso heulen und sich ohnmächtig fühlen wie seine Mutter. Wullepulle wird den Fehler machen, den kein Mensch mehr korrigieren kann. Wullepulle wird an seiner Tat zugrunde gehen, denn er ist kein schlechter Mensch.

© GOO, März 2013

 
Huette009-1.jpg

Hütten

  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011
  •  Alle Bilder © bio,  2011

Feuerspuren

Das Kalle Blomquist Spiel ist der Beitrag von Birgit in der Anthologie Feuerspuren herausgegeben von der Gesellschaft für neue Literatur.

edition karo, Berlin 2017

172 S., Klappenbroschur, EUR 15,-

ISBN: 978-3-945961-05-6

Geld

Väterchen Frost oder Eine große Kälte ist über die Stadt gekommen ist der Beitrag von Birgit in der Anthologie Geld herausgegeben von Sigrun Casper.

Konkursbuch-Verlag. Berlin. 2017

288 Seiten, viele teils farbige Bilder konkursbuch 53, 15,50, im Abo 12,-

ISBN 978-3-88769-253-7

Ich hab's gesehn! und Das Kleid sind die Beiträge von Birgit in der Anthologie

Konkursbuch Verlag, Berlin 2016 EUR 9,99

eBook (ePUB) EUR 9,99

EAN 9783887696726

Der satirischer Prosatext Rabbitz ist der Beitrag von Birgit in der Anthologie herausgegeben von Horst Bosetzky

Die schrägsten Berliner Zehn-Minuten-Geschichten, Jaron Verlag, Berlin 2013

1. Auflage 2013, 234 Seiten, Paperback 8,95 Euro

ISBN: 9783897737266


Inhaltsaufrufe : 1260471
Birgit Ohlsen und Günter Opitz-Ohlsen Autoren bei friededenhuetten.de Grabbeallee 24 13156 Berlin, Germany