Birgit 

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BIRGIT OHLSEN

Literarisches Credo:

«In Saloniki weiß ich einen, der mich liest, und in Bad Nauheim. Das sind schon zwei.»

(Günter Eich)

 

 

 

 

Weil das Private auch politisch ist: Meine ersten, im Rückblick unbeschwerten fünf Lebensjahre lebte ich in einer idyllischen Kleinstadt in Mecklenburg. Dies Kinderglück endete abrupt mit der überraschenden Flucht in den Westen. Es schloss sich eine vielleicht typische Nachkriegskindheit in verschiedenen Orten im Badischen an, mit stets wechselnden Bezugspersonen, in Kinderheimen, Internaten. Im Alter von neun Jahren entstanden aus der aktuell erlebten Not heraus die ersten Gedichte sowie über den Schulunterricht hinausreichende Prosatexte, die leider nur zum Teil erhalten sind. Der starke Wunsch, einmal eine Schriftstellerin zu werden, bestimmte von da an mein Leben. 
Von Freiburg zog die Familie Jahre später dem Stiefvater nach Bonn nach, dort folgten in der Konsequenz: der Schulabbruch in der Unterprima, eine nicht abgeschlossene Buchhandelslehre sowie der Versuch, eine eigene Familie aufzubauen – all dies in allzu schneller Abfolge. Dann der Umzug in die sogenannte Bergische Metropole Wuppertal, wo ich eine Anstellung in einer Werksbücherei vermittelt bekommen hatte.

Ausbildung: Parallel zum nie einfachen Alltag als allein Erziehende machte ich wenige Jahre später in Abendkursen eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin für englische, französische und spanische Handelskorrespondenz und erwarb jeweils das entsprechende IHK-Diplom.
Neben der Familienarbeit und einem Teilzeitjob als Angestellte an der Uni (hier begann der gemeinsame Weg mit Günter) besuchte ich in den frühen 1980er Jahren voller Begeisterung das Abendgymnasium Wuppertal (Lieblingsfächer: Deutsch und Latein) mit erfolgreichem Abschluss.

Mein Traumfach Kunstgeschichte wurde damals nicht in einer mit dem Nahverkehr erreichbaren Universität angeboten, deshalb schrieb ich mich im Sommersemester 1984 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf für die Studiengänge Germanistik und Romanistik ein. Nach einer ersten Orientierungsphase entschied ich mich für die Studienschwerpunkte Frauenforschung, Sozialliteratur des 19. Jahrhunderts (D/F) und Exilliteratur des 20. Jahrhunderts. Es folgten ein paar intensive, selbstbestimmte und, was das Studium betraf, so gut wie sorgenfrei gelebte Jahre zwischen Campus, Mensa und Unibibliothek, die ich mit dem akademischen Grad Magistra Artium (MA) abschloss. Die Magisterarbeit «Der Heimatbegriff im Exilwerk von Anna Seghers» wurde im Jahr 2017 mit dem leicht abgeänderten Titel «‘Heimat‘ im Exilwerk von Anna Seghers» beim Wissenschaftsverlag Frank & Timme, Berlin, publiziert.

Publikationen: Seit 1979 wurden einige meiner Gedichte in Literaturzeitschriften, Anthologien, Straßenzeitungen und auch in einem Frauenkalender veröffentlicht. Ich wurde zu Lesungen auf politischen Veranstaltungen eingeladen, las in Frauenbuchläden und Schulen, später einmal auf der Buchmesse Leipzig. Für den unabhängigen Kleinverlag, in dem meine ersten Bücher erschienen, arbeitete ich bis zum Umzug nach Berlin zeitweise als (ehrenamtliche) Lektorin. Neben dem Schreiben war mir dies die liebste Beschäftigung.

Bisher sind insgesamt neun Bücher von mir veröffentlicht worden: Die Erzählung «Jorinde im Schloss» (2003), in der es um die Ereignisse/Erinnerungen rund um eine Wohnungsauflösung geht; «Das Taubstummenhaus» (2004), Kurzgeschichten; die literarische Reisebeschreibung «Zauberhaftes Rom, Streifzüge durch die Ewige Stadt» (2008), die Erzählung «alles geht. die letzten tage im leben der juliane k.» (2012), die von der Einsamkeit handelt, von der Schwierigkeit, im bestehenden gesellschaftlichen System Träume zu verwirklichen; die Prosaminiaturen «Der Mann, der auf dem Dach spazieren ging» (2015), eine Sammlung von teils skurrilen Kurztexten, die zu erdenken sich aus Alltagsbeobachtungen ergibt, die zu schreiben immer mal wieder die Lücken zwischen größeren Vorhaben ausfüllt; dann die Dokumentation «Der Wuppertaler Auschwitz-Prozess» (2015), dabei handelt es sich um die vor Ort gemachten Mitschriften mit Begleittext. (Exemplare dieses Buchs existieren aktuell in etlichen wichtigen nationalen und internationalen Bibliotheken, unter anderem in Yad Vashem), sowie, in der bibliophilen Handdruck-Reihe "Die besonderen Hefte" von Alfred Miersch im NordPark-Verlag,
die Prosaskizzen «Römische Augen Blicke» (2017) mit etlichen eigenen Fotos - mein absolutes Lieblingskind. Bei «‘Heimat‘ im Exilwerk von Anna Seghers» (veröffentlicht bei Frank & Timme, Wissenschaftsverlag, Berlin, 2017), handelt es sich um meine publizierte Magisterarbeit.

Als letzte Veröffentlichung vor der Pandemie erschien die Dokumentation «Unruhige Tage. Eine Wuppertaler Straße wird entnazifiziert», (2019), in der die sehr spontane Rückbenennung eines Straßennamens aus eigenem Erleben protokolliert wird.

Mein aktuelles Projekt: Immer wieder arbeite ich an einer vor Jahren begonnenen Novelle, bin allerdings während der noch andauernden, pandemiebedingten Isolation ins Stocken geraten und erhoffe mir dringlichst weitere Schreibimpulse von erweiterten Reisemöglichkeiten.

Hier lebe ich: Seit 2006 lebe und schreibe ich in meiner Wahlheimat Berlin. Und immer noch bin ich Mitglied im Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) Berlin ...

 


 

 Paul 

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GÜNTER OPITZ

Literarisches Credo:

«It is the spectator, and not life, that art really mirrors»                                                              

(Oscar Wilde, The Picture of Dorian Gray)

 

 


Frühe Kindheit in Taubenheim, einem Dorf in der Oberlausitz. Im Alter von drei Jahren Umzug nach Ehlscheid im Westerwald, ebenfalls ein Dorf. Dort verlebte ich eine Kindheit, die vom Herumstromern mit Freunden geprägt war. Die Stadt Wuppertal wurde erst in der Pubertät mein neues Umfeld. 1975 Abitur mit den Schwerpunkten Mathematik und Chemie am Gymnasium Siegesstraße, das heute Johannes Rau Gymnasium heißt. Nach zweijähriger Dienstzeit als Kriegsdienstverweigerer begann ich das Studium der Mathematik und Philosophie für die Sekundarstufe II an der Universität Wuppertal. Studienschwerpunkte waren: Topologie und griechische Philosophie. Meine Abschlussarbeit schrieb ich über «Verallgemeinerte Homologietheorien». An der Universität lernte ich Birgit kennen. Wir heirateten 1980 und verbrachten unsere Flitterwochen im Hüttendorf in Gorleben. In dieser Zeit entstand auch Birgits Text «Sie schreit», der einen Vorfall bei einer Demonstration vor dem Bauzaun des damals geplanten Endlagers beschreibt. Wasserwerfer mit 20 Atü Wasserdruck vertreiben nicht nur Menschen, sondern haben auch das Potenzial, ihnen lebensbedrohliche Verletzungen zuzufügen, wenn der Strahl direkt auf sie zielt.

Die Studienzeit war durch unser gemeinsames politisches Engagement für eine Welt ohne Atomkraft, gegen die Stationierung von Atomraketen und für den aktiven Einsatz für Menschenrechte geprägt. Zweites Staatsexamen ebenfalls in Wuppertal. Aufgrund der damals herrschenden Lehrerschwemme begann ich eine Umschulung zum Organisationsprogrammierer bei Siemens / Nixdorf. Im Anschluss folgte eine langjährige Tätigkeit als C-Programmierer im Laborbereich und im IT-Bereich Netzwerktechnik als Netzwerkadministrator bei  der Herberts GmbH, die damals zum Hoechst-Konzern gehörte. Nach der Zerschlagung des Konzerns wurde Herberts an das amerikanische Unternehmen Dupont verkauft, und ich suchte mir eine Tätigkeit als Tutor für Cisco Systems mit wechselnden Standorten in Wuppertal, Frankfurt am Main und Berlin bis 2007.

Nach meinem Burnout 2007 war ich bis 2012 arbeitslos. Erst bezog ich Arbeitslosengeld, dann Hartz 4 und, als sogenannter Aufstocker, arbeitete ich in wechselnden Jobs als Vertretungslehrer in Berlin. In dieser Zeit haben Birgit und ich beschlossen, unsere Homepage zu erstellen und unsere Erfahrungen zu Papier zu bringen. Viele unserer Texte haben einen direkten Bezug zu meiner damaligen Arbeitslosigkeit. Birgit hat mit «Väterchen Frost» einen Vorschlag des damaligen Finanzsenators in Berlin, Thilo Sarrazin, zur Lebensweise eines Hartz 4 Leistungsempfängers persifliert, und ich habe mit dem Text «Der Wartekünstler» die Sinnlosigkeit dieser staatlich geförderten Armut aus meiner Lebenswelt heraus reflektiert.

Das Dramolett «Herbert wird Millionär» beschreibt im Kontrast dazu die Gewinner in dieser Zeit. Sie spülte narzisstische Persönlichkeiten an Land, die dem Turbokapitalismus den Weg bereiteten. Die Folgen sind heute noch zu spüren.  

In meiner Kindheit spielte Musik immer eine große Rolle. Ich sang zu Hause, in einem Kirchenchor, der Wuppertaler Kurrende und nach meinem Stimmbruch überbrückte ich den langen Schulweg mit Melodien, die sich in meinem Kopf wie von selbst bildeten. Zusammen mit Freunden ging es später mit Bongos und Gitarren in den Wald und wir spielten und sangen unsere Musik. Diese Liebe zur Musik habe ich auch in meiner Arbeitslosigkeit dazu genutzt, um im Berliner Chor «High Fossility» mitzumachen. Vielen Dank an alle im Chor. Der Text «Keep on rockin' in a free world» bezieht sich auf diese wunderschöne Zeit.

Ich war seit 2012 als Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik tätig, zuletzt am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum in Oranienburg und Zehdenick. Seit Schuljahresende 2021 genieße ich meinen aktiven Ruhestand.

Veröffentlichungen von Gedichten in Anthologien und Straßenzeitungen. Lesungen auf politischen Veranstaltungen. Neben Lyrik schreibe ich Kurzgeschichten, Märchen, Reflexionen und mathematische Beiträge. Seit 2006 lebe und schreibe ich in meiner Wahlheimat Berlin.

 

 


 

Der Name unserer Homepage drückt nicht nur unser beider Bewunderung für den Dramatiker, Humanisten und Freiheitskämpfer Georg Büchner aus, sondern ist auch als Hinweis für unsere politische Ausrichtung zu verstehen. Aber das Leben besteht nicht nur aus Politik! So sind im Laufe der Zeit immer mehr Texte hinzugekommen, die unsere Interessen widerspiegeln. Kleine Reisen, Bücher, die wir lesen und die gemeinsamen Streifzüge durch Berlin, einer Stadt mit tausend Gesichtern, die niemals langweilig ist. Bei mir kommt noch die Vorliebe für Mathematik und Physik hinzu.

Dies war auch der Grund dafür, dass ich begann, online Vorlesungen über die Allgemeine Relativitätstheorie auf YouTube zu hören. So entstand das Projekt ART. Ich habe eine Vorlesung von Professor Paul Wagner von der Universität Wien, Institut for Experimentalphysik sowie von Professor Leonard Susskind von der Stanford University zur Allgemeinen Relativitätstheorie zusammengefasst und darüber hinaus einige Kapitel zur speziellen Relativitätstheorie und klassischen Mechanik hinzugefügt. Momentan ist für mein Projekt noch kein Ende in Sicht. Es fehlen noch wesentliche Kapitel zum Thema Schwarze Löcher, die ich versuchen werde, während meines Ruhestands hinzuzufügen. Ich bin schon gespannt darauf, was ich an kreativen Aktivitäten bei mir entdecke, weil in der Zeit meiner Arbeitslosigkeit unsere Homepage im Mittelpunkt meiner Arbeit stand.