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Spiegel I

 

 

 

Seit geraumer Zeit wohne ich nun an diesem beschaulichen Ort in der Mitte des Landes.

 

Es sieht ganz so aus, als handle es sich um eine besondere Gemeinschaft, in die ich hier hinein geraten bin. Zunächst habe ich mein Bestes gegeben, und dies ist meine Sprache, um Verbindung zu den hier lebenden Menschen aufzunehmen. Tapfer habe ich, unter Zurückstellung einer etwaigen Scheu, fremde Menschen begrüßt, die mir auf den Wegen entgegen kamen.

 

Und grüßte der oder die Angesprochene einmal zurück – dies war ein äußerst seltenes Ereignis – so freute ich mich meist umsonst, denn die oder der Gemeinte stand hinter oder neben mir. Es ist nicht schwer, über meinen Kopf hinweg zu sehen, die meisten Erwachsenen sind größer als ich.

 

Einmal hat mir jemand direkt in die Augen gesehen beim Morgengruß, und er sprach dabei eine mir nicht bekannte Sprache. Als ich mich, vorsichtig geworden, umsah, da stand hinter mir eine andere kleine Frau, die mit meinem Hinterkopf zu sprechen schien. Dies geschah in derselben, mir unbekannten Sprache, wie der Mann sie gesprochen hatte, der mir gegenüberstand.

 

Traurig eilte ich in meine Wohnung zurück, um meinem Spiegel davon zu erzählen. Er ist es für gewöhnlich, der mich wieder aufzurichten versteht.

 

Hastig hängte ich meine Jacke an den Haken der Garderobe und wandte mich dem Spiegel zu.

 

Stell dir vor, beeilte ich mich, ihm zu berichten, stell dir vor, was mir eben geschehen ist.

 

Er zeigte diesmal keinerlei Neugier, und dies verwunderte mich. Ich stellte mich vor ihn hin, so dass er mich nicht mehr übersehen konnte.

 

Da erst bemerkte ich, dass er weder meinen Körper noch mein Gesicht zeigte.

 

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