Ein Leben zu viel. Ein halbes würde reichen. Es ist und der Tag bricht an. Die schmale Sonne scheint durchs Fenster. Vergessen, ja warum auch nicht. Doch, was immer wieder nach oben kommt, lässt sich nicht so einfach unterdrücken. Es fehlt ihm das spezifische Gewicht, das es endgültig zu Boden sinken lässt. So wird dieser Tag alles wieder nach oben spülen, was die Nacht nach unten hat sinken lassen, und umgekehrt wird er keinen Schlaf finden, weil all das, was der Tag nach unten hat sinken lassen, in der Nacht wieder aufgetaucht ist.

Das Bild hängt schief, und immer wieder wird er es richten. Eine zwanghafte Handlung wird er sich sagen und endlich damit aufhören, immer wieder dasselbe gegen einen Sachverhalt zu tun, der mit diesen Mittel einfach nicht aus der Welt zu schaffen ist. Er wird sich erinnern, an eine Freiheit vielleicht, die er nie hatte, weil er sie mit seinen Mittel nie verwirklichen konnte, und seine eigene Schieflage glich dem des Bildes, mag sein. Alles, was er heute unternehmen wird, wird ihn weiter forttragen, wird ihn an Orte bringen, die er nie sehen wollte, Orte, die es nur für ihn geben kann, dessen können wir uns sicher sein, denn nur er kann sie erfühlen und in seiner Unaussprechlichkeit zum Ausdruck bringen.

Am nächsten Tag wird er nicht mehr aufstehen, weil es zu viel Kraft kostet, sich immer wieder aufzurappeln, all das immer wieder erneut zu tun, in dem er keinen, absolut keine Sinn mehr sieht, das ihm nur noch als lästig erscheint, weil es immer wieder zu dem Ausgangspunkt führt, den er nie mehr aufsuchen wollte. Manchmal, wenn er so da lag, in seinem Bett, besser, auf der Matratze, die er direkt auf den Boden gelegt hatte, da stellte er sich auch andere vor, wie sie zur gleichen Zeit in ihren Betten lagen. Sie wollten nicht aufstehen, lagen einfach da, so wie sie eingeschlafen waren, regungslos, ohne ein Wort zu sagen. Maschinen nahmen ihre Betten und trugen sie fort an den Arbeitsplatz oder den Ort des Geschehens. Das Bett wurde senkrecht gestellt, aber die Menschen blieben, fielen nicht aus dem Bett, ja selbst das Bettzeug blieb weiter so, wie es immer war, egal wie das Bett durch die Maschinen gedreht, gespiegelt, beschleunigt, gewendet oder verschoben wurde. So war die Situation und keiner fiel aus dem Rahmen.

Am übernächsten Tag wird sein Bett an einem Sandstrand in der Karibik stehen. Dort findet er Schatten unter den Palmen und Musik ist zu hören. Sie kommt aus den Betten, die um seines herumstehen. Sanft ist die Musik, verspielt, leicht sogar und lässt alles vergessen. Alles vergessen meint hier, alles, auch das letzte und das kann nur bedeuten, dass er sich im Bett befinden wird, eine Ewigkeit vielleicht, weil niemand mehr aufstehen wird, für wen, für was auch immer, selbst er nicht, um sein Bild zu richten.

Am überübernächsten Tag werden ihn die Maschinen weitertragen, dorthin, wo alles anfing, in die Bettenfabrik. Hier wird alles hergestellt, für den, der sich sein ganzes Leben lang hingelegt hat. Er wird staunen, Bewunderung wird seinen Geist erfüllen. Alle diese Betten – und in jedem einzelnen schon ein Mensch. Das hätte er nun nicht gedacht.

© GOO, November 2010

{{ GOO1 }}