*Ja, sagte der Mann*

 

Es muss sich etwas ändern, sagte die Frau.

Ja, sagte der Mann. Und er rührte sich nicht vom Fleck.

Wir sollten einmal darüber sprechen, sagte die Frau.

Ja, sagte der Mann. Und er rührte sich nicht vom Fleck.

Könnten wir es nicht gleich tun, sagte die Frau.

Ja, sagte der Mann. Und er rührte sich nicht vom Fleck.

Und so ging es Tag um Tag, Jahr um Jahr. So lange, bis die Frau die

Geduld verlor, ihren Koffer packte und sich anschickte, dem Mann

Lebewohl zu sagen.

Wirst du mich vermissen, fragte die Frau den Mann.

Ja, sagte der Mann. Und er rührte sich nicht vom Fleck.

Da ging die Frau zum Mann und rüttelte ihn an den Schultern. Seit Jahren

tat sie dies zum ersten Mal. Und als er sich noch immer nicht rührte, da

bemerkte sie, dass er längst in seinem Sessel festgewachsen schien, und

es war nichts anderes als ein ausgeklügelter Mechanismus, der seine

Lippen beim Jasagen bewegte. Der Mann selbst aber hatte sich längst auf

dem Weg ins daunengepolsterte Schlaraffenland gemacht. Dort, so hatte er

schon sein Leben lang geträumt, gäbe es niemanden, der an seinem ihm zur

lieben Gewohnheit gewordenen, beschaulichen Leben zu rütteln gewagt hätte.

Tatsächlich lebte er dort eine Zeitlang so, wie es ihm gefiel. Die

Gelenke waren ihm darüber steif geworden und der Leib schwer. Als er des

Müßiggangs eines Tages aber überdrüssig geworden war, machte er sich auf

den mühsamen Weg zurückin sein Haus.

Es wunderte ihn keineswegs, dass es noch stand. Die Fensterläden

hingegen waren heruntergelassen und die Blumen aus den Blumenkästen

verschwunden. Dessen ungeachtet begehrte er lauthals Einlass.

Wirst du mich einlassen? rief er – und er rührte sich dabei nicht vom Fleck.

 

Ja, sagte die Frau.

©bio.8.15