„Nostalgisch motivierte Anhänger eines gemütlichen Trotts konnten dank der Eisenberg-Konstante leben wie im Paradies.“, so heißt es in der phantastische Geschichte „Die Eisenberg-Konstante“, die ebenfalls Pate für den Buchtitel ist, hinter dem sich vier weitere phantastische Erzählungen von Eugen Egner verbergen (Die Eisenberg-Konstante, Eugen Egner, Frankfurt am Main, ZWEITAUSENDEINS, 2004).

Es ist etwas faul in der schönen Welt der Firma Eisenberg. Im Radio hört der Protagonist, dass Ratten zu Alkoholikern werden und dass alle Regierungen nach dem Vorbild der Fernsehsender nun endgültig privatisiert werden sollen. Außerdem ist da immer derselbe Traum von einer hässlichen Kreatur mit Goldintarsien durchzogenem Gesicht und der unglaubwürdige Bericht, dass eine immense Maschine aufs freie Feld gestürzt sei und ein gutes Stück in den Boden gerammt wurde. Dies lässt nur vermuten, dass der Apparat, der die Zeitschleife aufrecht erhält, seine Macken hat und nur ein Techniker der Firma Eisenberg hier Abhilfe schaffen kann. Aber der kommt erst am Montag und bis dahin geschieht so allerhand.

Wenn Wörter schlecht sind und Denken schlecht ist, was ist dann gut? Jeder wird sich fragen, was beide Sätze miteinander zu tun haben? Aber ist das wichtig, wenn jedes Ende, das endlos ist, wie eine Schneeflocke sich in reiner Luft auflöst.

Es wirkt innerhalb einer Geschichte eine weitere Geschichte, die aber aus der Geschichte selbst heraus nicht verstanden werden kann. Die phantastischen Protagonisten in Egners Geschichten machen diese Beschränktheit zwar immer wieder deutlich, aber der Leser wird vom Autor dennoch nicht allein gelassen.

So wird der Eisenberg-Monteur in der ersten Geschichte einem ratlosen Protagonisten gegenüberstehen, der versucht die Merkwürdigkeiten zu reproduzieren. Aber wie im wirklichem Leben, gelingt es ihm nicht und so muss sich der Techniker mit den Schilderungen einer immensen Maschine begnügen, die einen monströsen Leichnam birgt. Manchmal führen allerdings Antworten auf Fragen zu den wahren Katastrophen im Leben. Und so ist die harmlose Frage des Monteurs nach dem Aussehen des Leichnams auch schon der Untergang der Titanic. Der Monteur hat seine Schuldigkeit getan, der Monteur kann gehen wird es in der Geschichte nicht heißen können. Das Goldintarsien durchzogene Gesicht hinterlässt beim Techniker der Firma Eisenberg Angst und Schrecken gefolgt von einer Reaktion, die alles aufklärt: „... Während ein endloses Echo des Schreis aus allen Ecken schrillte, wuchs ausnahmslos alles, einschließlich Selingers Person, aufs widersinnigste in die Länge, um augenblicklich in die Steckdose zu stürzen und zuletzt auch diese mit sich zu reißen.“

Unmögliches mit Möglichem oder Unmögliches mit Unmöglichem zu verbinden, muss nicht unbedingt absurd sein. Die Frage ist, was in den Geschichten gespiegelt wird und dies wird dann für den Leser umso bedeutender, wenn es sich um eigene Erfahrungen handelt. Dass diese phantastisch verpackt werden, steigert nur den Unterhaltungswert der Lektüre. Und wie überrascht muss der Leser sein, wenn er die Strukturen der Geschichte auch in seinem banalen Leben wiederfindet? Vielleicht ergeht es dem Leser so wie Max Ernst mit seinen Bildern, der in der Landschaft Arizonas seine surreale Landschaft wieder erkannte, die er Jahre zuvor in Paris auf die Leinwand malte.

GOO, Februar 2010