Die Britzer Gärten sind nicht die Hängenden Gärten der Semiramis, die einst in Babylon als aufwendige Gartenanlage den Palast verschönerten. Lassen sich die Hängenden Gärten der Semiramis nur aus der Literatur rekonstruieren, was zu sehr unterschiedlichen Vorstellungen über dies Weltwunder der Antike geführt hat, so ist die Lage bei den Britzer Gärten in Berlin-Neukölln eindeutig. Laut Schautafel im Eingangsbereich erfährt der Besucher, dass das Land Berlin hier in den Jahren 1978 bis 1985 einen großen Park mit Seen, Hügeln, Gärten und großen Spielbereichen angelegt hatte, um dann auf dem kultivierten Gelände im Jahre des Herrn 1985 die Bundesgartenschau auszurichten.

Eigentlich hatten wir heute mit einer ordentlichen Verbilligung gerechnet, als wir uns dazu entschlossen, den Britzer Gärten bei strahlendem Sonnenschein einen Besuch abzustatten. Doch der „Berlin-Pass“ erweist sich hier einmal nicht als Stadtöffner, wie es auf dem von Designern kunstvoll gestalteten Ausweis verheißen wird. Ermäßigten Eintritt gibt es nur für Kinder und Schwerbehinderte. Dazu kommt, dass das Eintrittsgeld seit dem vorigen Jahr um satte 50% erhöht wurde. Dies erfuhren wir zufällig aus einer Unterhaltung in unmittelbarer Nähe.

 

Tulpenbeet

Viele Bilder von blühenden Tulpenfeldern wollten wir machen und nebenbei erkunden, welche gärtnerischen Meisterleistungen sonst noch auf dem 90 Hektar großen Gelände zu bewundern wären. Wie enttäuscht waren wir, als wir eine ganz normale Parkanlage sahen, wie wir sie in unserer unmittelbaren Wohnumgebung mindestens dreifach vorfinden.

Die Tulpenfelder schrumpften vor unseren Augen zu Tulpenbeeten, und wir begannen uns ernsthaft zu fragen, was den relativ hohen Eintrittspreis von 3 Euro pro Nase rechtfertigte? Nicht auszuschließen ist, dass, bislang unbemerkt von der Öffentlichkeit, erneut eine Spekulationsblase wie anno 1637 den Tulpenzwiebelpreis in unbekannte Höhen getrieben haben könnte. Für diesen – aber wirklich nur für diesen Fall – hätten wir Verständnis für die Stadt, die immer noch mit Zuschüssen aushelfen muss, um das zu erhalten, was sie dem zahlenden Besucher zeigt.

Wenn die Lage allerdings so dramatisch ist, wie wir sie uns vorstellen, so wird in absehbarer Zeit der neue Finanzsenator dieser Stadt im Zuge einer gezielten Haushaltsoptimierung ein neues Sanierungskonzept für die öffentlichen Parks vorzulegen haben. Nach erfolgter Privatisierung würden dann eventuell immer weniger Besucher kommen, um sich umzäunte Gänseblümchen-Paradiese anzuschauen. Dafür wäre dem Investor die 15 % Rendite garantiert.

 

Gänselblümchen

Frage: Was wäre wohl in einem vergleichbaren Fall in der Antike gemacht worden?

 

© bio / goo, Mai 2009