Das Rathaus heißt in Frankreich Mairie und ist kein sicherer Ort, wenn die Bewohner gegen die Pläne der Regierung sind, die das Land für andere Zwecke beanspruchen will. Nationale Sicherheit heißt das Schlagwort und manchmal fragt man sich, warum es überhaupt Regierungen gibt?

Frankreich ist das Land der Revolution. Hier ist das Volk der Souverän und es gilt der Gesellschaftsvertrag, der nach Rousseau nur solange in Kraft ist, wie der Wille des Volkes es vorsieht. Aber wie lange will das Volk einen Staat. 1989 wollte das Volk die DDR nicht mehr und kündigte den Gesellschaftsvertrag. Es bekam eine neue Regierung vorgesetzt. So einfach kann das sein! Aber die jüngste Geschichte in Thailand belehrt uns da eines Besseren. Wie sieht es aus, wenn der Staat nicht will, was das Volk will? Bürgerkrieg! Dies muss das Ende eines jeden Staates sein, weil er sein Volk verliert und damit seine Legitimität.

So zugespitzt waren die Verhältnisse damals im Larzac nicht. Das kleine Dorf La Blaquière war unser Ziel. Die Bauern der Gegend riefen zur Solidarität und ihr Ruf drang bis ins angrenzende Deutschland, weitergeleitet durch eine Zeitung, die TAZ, die wir damals als Abonnenten noch unterstützen. Heute haben sich große Teile der alternativen Szene etabliert und sind eine mächtige Öko-Interessengruppe geworden. Dafür hat eine Partei gesorgt, die so wenig Sozialkompetenz bewiesen hat, wie ihr Koalitionspartner, der noch heute dem Parteinamen gemäß die Demokratie dem Gemeinwohl verpflichten will. Jedenfalls ist es beiden Gruppen außerordentlich gut gelungen, den Bach derart umzuleiten, dass er heute an vielen Häusern und GbRs vorbeifließt, die sich der ökologischen Geldversorgung mit Renditen bis zu 12% verschrieben haben.

Die Bauern im Larzac kannten ihr Wohl. Die kargen Wiesen eignen sich für Schafe und nicht für ein Bombodrom (damals NATO Truppenübungsplatz). Sicherlich: einige sind immer bestechlich und folgen dem Ruf des Geldes. Sie glauben, dadurch würde sich ihre Lage verbessern. Doch damals war das eher anders. Das Rathaus wurde besetzt, die Akten wurden auf die Straße geworfen und Opfer der Flammen. So radikal sind diese Franzosen? Na klar, die haben die Revolution ja erfunden!

La Blaquière wurde damals von vielen Helfern aufgehübscht. Feldsteine waren das Baumaterial. Aufgesammelt und an die richtige Stelle gebracht, kann man so ganze Häuser bauen oder aber Mauern, so wie wir das damals gemacht haben. Dabei lernten wir viele Menschen kennen: den vom Adel zum Kommunismus konvertierten Franzosen, für den alle Deutschen noch immer boches waren und der seine betteraves nicht teilen wollte, den von der Baugilde, der in der ganzen Welt an Bauprojekten arbeitete – und uns: Deutsche, Alternative im Auftrag des Guten unterwegs seiende Ökopaxe, die damals die Welt noch verbessern wollten. Was ist heute aus der Gegend geworden?

 

Sehen sie im Internet nach und sie werden Zeuge einer Revolution, die ohne Gewalt auskommt aber trotzdem mächtiger und brutaler ist als alle anderen Revolutionen. Das Geld regiert nicht nur die Welt sondern verändert sie radikal. Ich würde nie wieder dort hin fahren! Die Unschuld des Ortes ist weg. Kojanisquaatsi – die Welt aus dem Gleichgewicht – haben die Indianer im gleichnamigen Film gesungen und sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit recht gehabt. Dies kann man nicht nur im Larzac sehen!

 

 

GOO, Mai 2010