Der bleibende Eindruck – Buchmesse Leipzig 2011

Eigene Eindrücke über die Buchmesse in Leipzig literarisch zu verarbeiten, ist von Natur aus schwierig. Ich habe diesmal die lyrische Herangehensweise gewählt. Nicht zuletzt deshalb, weil mir eine sehr „gutbürgerliche“ Moderation auffiel, die dem diesjährigen Chamisso-Literaturpreisträger Jean Krier aus Luxemburg am ARTE-Stand so einige Fragen zu stellen hatte.

Literaturpreisträger vorzustellen ist sicherlich eine sehr interessante Variante, Gedrucktes bekannt zu machen. Mich fasziniert eher der Hintergrund. Die Geräuschkulisse zum Ereignis. Ist das Bezugssystem die Buchmesse selbst, so bleibt oft nur Geschwätzigkeit übrig. Ist das Bezugssystem ein Preisträger – ein Mensch aus Fleisch und Blut also, der nur ein paar Zentimeter getrennt vor mir sitzt – vernehme ich dann ebenfalls das gleiche aus dem Munde einer Moderatorin, dann lässt das entweder an der Stiftung des Preises Zweifel aufkommen oder aber am Preisträger selbst. Letzteres war aber meiner Meinung nicht der Fall.

So versuche ich mich an der lyrischen Aufarbeitung eines Bündels von Eindrücken, die irgendwo in mir sind und ausgedrückt werden wollen, wie ein nasser Schwamm eben. Welches Wasser ich danach saufen muss, um mich dem Prozess erneut zu ergeben, werde ich in den nächsten Tagen sehen. Dem Leser wünsche ich jetzt schon das Beste, was einem Menschen überhaupt passieren kann.

 

Gefühlszauber Ankunft.  Von Wutkolik in Hirndruckbehältern bis Liebesschaum in Watteschränken immer auf dem Umkreismittelpunkt der Herzquadrate. Verkleinerte Gesamtkunstwerke also, groß wie ein Mikrochip, der immer wieder, wieder und wieder, ein nicht enden wollendes Programm in Postergröße abspielt: die senkrechte Quadratur des Kreises. Gezirkelte Maschinenpuppen - in Szene gesetzter Comic -  feuern nacheinander Stumpfwinkliges in den Äther. Maschinengewehrstöße lassen Bedeutungshülsen in die digital geschachteten Blitzgewittergräben fallen, als sei es ein Beliebigbebleites in der Mediensonne der Waschbrettgefälligkeit eingehängten Seins. Nun fällt es zusammen, mühlt sich von dir zu mir, und treibt uns senkrecht auseinander. Futterberge liegen uns waagerecht zu Füßen und wir drehen das Bewusstlosigkeitsrad schneller immer schneller, bis tangential vorbeifliegende Landschaften unseren Winkel halbieren, unseren Inkreismittelpunkt in die eigene Tarnkappenexistenz einbetten. Einstürzende Bücherregale spiegeln die Arrhythmie deines Herzens. Vom Basislager aus buckelst du die Hoffnungskarre auf die Bergstation. Die Eurythmie deiner Bewegung tröstet dich. Die Eurythmie meiner Bewegung tröstet mich.

 

© GOO, März 2011