Der Tierpark in Berlin ist groß. Zugegeben, die Eintrittspreise sind ein wenig happig. Aber wer die Jahreskarte hat, der kann sich einen wunderschönen Park leisten, der überall Gelegenheit bietet, die Decke auszupacken und das Picknick darauf zu platzieren. Also ein günstiges Familienvergnügen. Aber was bereitet dem Menschen so viel Vergnügen?

Ist es der Park, der mit einer der größten Parks Berlins ist? Nein, nicht nur. Er ist schließlich das angemessene Ambiente für die Tiere im Park. Teils sind sie in Käfigen, damit sie nicht weg fliegen oder sich ihr Futter unter den vielen Menschenkindern suchen, die den Park an sonnigen Tagen bevölkern. Teils sind sie in Freigehegen und damit erst einmal etwas weiter weg vom Auge des Betrachters. Wohl dem, der eine Kamera mit ausreichenden Zoom hat. Er kann diese Tiere nicht nur besser sehen sondern auch das ein oder andere Foto machen, das lustige Gesellen zeigt. Die Giraffen zum Beispiel. Sie blicken etwas blöd in die Linsen, so sagen manche, andere hingegen sehen die Weisheit im Blick einer Giraffe und dann gibt es noch einige Menschen, die gar nichts sehen. Für die ist der Besuch im Zoo eine Qual. Sie wollen Aktion und am liebsten die Sensation. Löwe frisst Gorilla, aber die Gorillas gibt es im Tierpark nicht. Tiger frisst Murmeltier, aber die Tiger und Murmeltiere sind weit voneinander getrennt. Elefant zertritt Panter, aber der Elefant hat den Panter noch nie im Tierpark zu Gesicht bekommen. So leben die Tiere vor sich hin. Am schönsten ist es aber, wenn sie in einer Tier-WG sich dem Besucher präsentieren. Dann kann auch derjenige so viele Interaktionen zwischen den Lebewesen beobachten, dass er anfängt darüber zu staunen, was Tiere alles können. Zum Beispiel Gefühle zeigen, miteinander teilen, oder zusammen arbeiten. Ja, das können nicht alle Tiere. Der Menschenaffe zum Beispiel ist der geborene Egoist. Damit er ein Gruppe leiten kann, muss er das Alphatier spielen. Warum ist das so wichtig? Weil es etwa unser Verhalten auch erklärt! Schließlich sind fast 99% aller Gene des Menschenaffen mit unseren identisch.

Schnell kommt die Frage auf: Und welches Tier magst du am liebsten? Da muss der Gefragte schon etwas mehr überlegen. Ist es das Nashorn, das mit seiner Panzerung Kraft ausstrahlt, obwohl es friedlich im Freigehege herum trottet und keine Anstalten macht, den Besucher anzugreifen. Ist es der schwarze Panter, der sich auf einem Baumstamm gelegt hat, um ungestört in der Sonne zu dösen oder etwa der Tiger der gleiches tut? Die Kraft, die Schnelligkeit und die Ästhetik des Körperbaus sind bestimmt entscheidende Merkmale, um ein Tier schön zu finden. Aber viele mögen es nicht, wenn sie Statuen vor sich sehen. die regungslos wie ein Faultier in das Leben treiben. Da sind sie agilen Äffchen schon interessanter. Sie machen sehr lustige Sachen. Zum Beispiel können sie ihren Körper derart verrenken, dass man unwillkürlich lachen muss. Was ist schöner: Die Gemeinschaft, das Kollektiv oder die Vereinzelung, das Individuum? Hier im Tierpark kann man diese Frage so oder so entscheiden. Ich habe mich für die Gemeinschaft entschieden. Denn nur hier wird das Individuum gefordert, was die Zusammenarbeit und das Teilen betrifft. Dann wird aus einem egoistischem Individuum plötzlich das stärkste und das fröhlichste Wesen, was man sich denken kann. Ist das beim Menschen etwa auch so?

Die Evolution hat uns Aufgaben gestellt. Der Mensch ohne Aufgabe ist unglücklich. Erst durch die Aufgabe wächst er. Er wird geistig größer, wendiger und häuft das Wissen anderer an, damit er sich der Aufgabe stellen kann. Viele Menschen haben sich an Problemen die Zähne ausgebissen. Aber es hat immer einen gegeben, der das Feuer entdeckt oder das Rad erfunden hat. Aber es gibt genügend Menschen, die ihr Leben wie der Panter fristen müssen. Hinter Gittern, um sich vor dem Neid anderer zu schützen oder hinter Gittern eingesperrt, damit die Kraft gebändigt wird, die zu vielen Schaden zufügen können. Dann lieber jeden Tag das Fressen in den Käfig gestellt. Aber Vorsicht! Manch' ein Tierpfleger hat eine böse Überraschung erlebt.

 

© GOO, Juli 2012

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