Was ist das, was dich da am Leben hält, was dir die Kraft gibt, was dir die Kraft der Besitzlosen gibt, nichts mehr zu verlieren für das Haben nicht mehr zu leben, sich vom Haben nicht mehr tyrannisieren zu lassen, sich vom Haben zu befreien. Was ist das rockin' in the free world für ein Gefühl, was in dir aufkommt, wenn du nichts mehr zu verlieren hast. Es ist nicht die Vogelfreiheit, weil damit immer die Rechtlosigkeit des eigenen Ichs verbunden wird, das die Gemeinschaft braucht, um den Schutz zu finden, den das Leben verdient. Nein, es ist das Sein, welches die einzige Voraussetzung der Freiheit bedarf, um sich zu entwickeln, um sich zu entfalten, um die Welt zu umarmen oder aber die Welt zu vergessen und was ich nicht hoffe, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Es ist genau das, was Janis Choplin in ihrem Song Me and Bobby McGee auf den Punkt bringt: das gute Gefühl, das vollkommen in sich ist, wenn Bobby den Blues sang. Es ist die Musik aber eben nicht die Musik, die dich in den Krieg ziehen lässt sondern die Musik, die dich deine Freiheit spüren lässt, die immer noch in dir wie ein Feuer brennt auch dann und vielleicht gerade deshalb, wenn du auf dem Vulkan tanzt. 

Aber im Chor ist das anders. Hier kommt das gute Gefühl nicht nur dann auf, wenn ein Solo gesungen wird. Nein, das gute Gefühl hat jeder und das zu erleben, zu spüren, in seinem Körper und seiner Seele, das ist das gute Gefühl des Feuers, das immer noch in einem brennt und das immer noch nicht gelöscht wurde, durch das andere eben, das in einer solchen Situation nicht mehr existiert, wenn du im Chor keep on rockin' in the free world singst, wenn du deine eigene Stimme hörst unter den vielen Stimmen des Chores, wenn du erlebst, wie deine eigene Stimme in der Vielstimmigkeit des Chores aufgehoben ist und das durchaus im Hegelschen Sinn von erfahren, konservieren und hoch heben. Dann spürst du die good vibrations und wie sie, die music sweet music, durch deinen Körper fließt und wie sie deinen Körper in Schwingungen versetzen, zuerst von der Stimme aus, dann in der Brust und wenn du deine Aufmerksamkeit weiter auf den Körper richtest, dann eben auch bis in die Zehenspitzen. So ist das mit musikalischen Menschen, sie lassen sich von der Melodie und dem Rhythmus im Kopf durch den ganzen Körper leiten, sie essen die music bis I've got the music in me erreicht ist und manchmal kommen dann auch die Erinnerungen an die eigene Kindheit, das was einmal war und was immer noch da ist. In a choir you keep your fire in your heart an in your soul, in a choir you gettin' higher in your heart and in your soul.

Kein Wunder, dass man mit dem Bestehenden nicht mehr zufrieden ist. Das gute Gefühl will mehr, weckt Wünsche und du versuchst dir das zu nehmen, was nur der Chor dir geben kann. Den Rausch, den Kick, das gute Gefühl, dasjenige, das über Grenzen geht ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, dasjenige, das über Grenzen geht, weil es weiß, dass niemand damit geschädigt wird, dasjenige, das über Grenzen geht und nicht den Widerstand spürt sondern den frischen Wind im Rücken, der dich in Bewegung hält, den Rhythmus der Musik und so bleiben deine Wünsche im Chor in deinem Herzen und deiner Seele aufgehoben. In a choir you keep your desire in your heart and in your soul. Doch was passiert, wenn es unser Wunsch ist, wenn es unser Feuer ist und wenn es uns weiter bringt im Chor. Dann ist die Perfektion erreicht und wir können wieder von vorne anfangen oder uns dem Nachklang hingeben, der all das wieder in einem aufkommen lässt, was verschüttet schien.

 

In a choir

we keep the fire

in our hearts and our souls

 

In a choir

we keep desire

in our hearts and our souls

 

In a choir

we're getting higher

in our hearts and our souls

 

 

© GOO, Septemper 2014