Franz Faber

 

 

Franz Faber ist tot. Dies waren die Worte von Claudia Borchers, die wir heute zufällig an der Bushaltestelle  getroffen haben. Claudia hat Franz betreut und sie verband eine lebenslange Freundschaft. Als Buddhistin trug sie weiß, die Farbe der Trauer. Franz Faber verstarb gestern, am 14.5.13 im Krankenhaus. Sein Wunsch, älter als sein Vater , also runde 100 Jahre zu werden, ging nicht in Erfüllung. Mit Franz Faber geht ein Mensch aus dem Leben, der mehr erlebt hat als die meisten seiner Altersgenossen. In seiner Zeit als Auslandskorrespondent in Ostasien ist er den bekannten Politikern dieser Zeit nicht nur begegnet. Mit Ho Chi Minh verband ihn eine enge Freundschaft, die insbesondere darin begründet war, dass er, gemeinsam mit seiner Frau Irene Faber, das vietnamesische Nationalepos  aus den Originaldokumenten ins Deutsche übertragen hat. Das Mädchen Kieu ist die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die sich an ein Bordell verkaufen lässt, um ihre Familie zu schützen. Dort lernt sie ihren Mann kennen und kann Rache an den Unterdrückern nehmen, die sie verschleppt haben. Unbewusst begeht sie einen Verrat an ihrem Mann, der ihn das Leben kostet. Die große Schuld, die das Mädchen Kieu empfindet, kann sie nur durch einen Selbstmord sühnen. Bei dem Versuch, sich im Fluss zu ertränken, wird sie von einer Buddhistin gerettet und begegnet im Kloster wieder ihrer ersten Jugendliebe. Damit schließt sich der Kreis des Lebens und die Geschichte des Mädchens Kieu endet.

Auch Franz Faber hat eine große Kreisbewegung in seinem Leben gemacht. Leider ist ihm und seiner Frau die Anerkennung für seine Leistung als Übersetzer von deutscher Seite nie widerfahren. Dafür ist er in Vietnam ein angesehener Mann. Er wird regelmäßig in vietnamesischen Zeitungen für seine Leistung gewürdigt. Ich selbst habe erlebt, wie eine vietnamesische Verkäuferin ihn aufgrund eines Zeitungsartikel wieder erkannte. In dem Asialaden hat Franz Faber immer seinen speziellen vietnamesischen Kaffee gekauft, den wir oft zusammen getrunken haben. Leider geht mit Franz Faber auch ein großer Geschichtenerzähler und mit ihm ein Ozean von Geschichten, die er mir erzählt hat. Bleiben werden seine Bücher! Zu Lebzeiten wollte er immer eine Neuauflage des Nationalepos erreichen. Leider ist es nicht dazu gekommen. Ich habe das ND über den Tod von Franz Faber informiert, weil er einige Jahre für diese Zeitung gearbeitet hat. Ich hoffe, dass ein entsprechender Nachruf in der Zeitung abgedruckt wird. Ansonsten bleibt mir nur der Abschied, der diesmal kein "auf Wiedersehen" ist, so, wie es so viele Male gewesen ist, als ich ihn noch ehrenamtlich betreut habe.

 

© GOO, Mai 2013